unwissend und/oder naiv?!

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unwissend oder einfach nur naiv?

– canned / trophy hunting

Wie ich bereits in meinem Eingangspost erwähnt habe, bin ich seit ich ein kleines Kind war, ein rießen Fan von Raubkatzen – besonders Leoparden. Ich sah viele Bilder und Videos in denen sich Menschen um junge, kranke und verwaiste Tiere kümmerten, ihnen die Flasche gaben und vieles mehr. So ist mein Wunsch entstanden dies ebenfalls zu erleben – mit dem guten Glauben daran, auch etwas gutes zu tun.

Nachdem sich meine Planung mit Afrika festigte, verfolgte ich viele Blogs und schrieb auch mit einigen Personen hin und her. Darunter auch welche, die bereits in Afrika als Freiwillige auf eben solchen Farmen gearbeitet haben und eben in Kontakt mit diesen wunderbaren Tieren gekommen sind. Auch über Ukutula Lions Lodge wurde mir erstmal nur gutes berichtet. Als großes Agument behielt ich mir die Aussage, dass der Lion Whisperer Kevin Richardson (ein Idol in der Arterhaltung und Erforschung der Löwen) kein schlechtes Wort über Ukutula direkt hervorbrachte.

Nach vielem recherchieren im Web und stundenlangen lesens wurde mir immer mulmiger und ich bekam richtig Angst. Wie naiv war ich eigentlich – mich von unzähligen Seiten und Angeboten der Freiwilligenarbeit gefangen nehmen zu lassen?!

Wieviele Menschen zahlten Geld dafür in dem Glauben etwas gutes zu leisten, und in Wirklichkeit unterstützten sie die grausame Wirtschaft des sogenannten Canned-Hunting und Trophy-Hunting?!

Unter Canned/Trophy-Hunting versteht man die “Jagd” auf Raubtiere (überwiegend Löwen) von reichen Touris (überwiegend aus den USA) in großen abgezäunten Gebieten in dem es für die Tiere keine Chance zu entkommen gibt. Im Netz finden sich zahlreiche Fotos solcher Trophy-Hunter, und diese sind allesamt schrecklich genug, weswegen ich hier an dieser Stelle darauf verzichten will.

Canned-Hunting ist ein lukratives Geschäft in Südafrika und es ist eine relgerechte Industrie daraus entstanden. Legal vor dem Gesetz!

Was hat Canned-Hunting also mit Freiwilligenarbeit zu tun?

Sehr oft wird Freiwilligenarbeit auf Farmen und Parks angeboten, welche überwiegend Jungtiere halten und werbewirksam mit süßen, putzigen Babytieren auf sich aufmerksam machen. Wer findet diesen Anblick nicht schön und würde gerne mal ein solches Jungtier knuddeln? Es werden also etliche Menschen angelockt, mit der Aussage etwas gutes zu tun, und gleichzeitig haben Sie somit kostenlose Arbeiter (die auch noch etwas für ihren Aufenthalt zahlen) welche Sie in diesem grausamen System unterstützen und damit ausgenutzt werden.

Ich wusste um einige Parks und Anlagen welche mir von Anfang an Schleierhaft vorkamen. Darunter fällt auch der sogenannte Lions Park Nähe Johannesburg. Diese Parks sind nichts anderes als große Zoos die allerdings nur Raubkatzen (überwiegend Löwen) beherbergen und zahlenden Touristen Fotos und Streicheleinheiten mit diesen Tieren ermöglichen. Davon wollte ich immer Abstand nehmen und das war nie ein Thema für mich.

Was passiert aber mit all diesen Tieren nachdem sie größer geworden und nicht mehr klein, niedlich und putzig sind?

Hierzu muss man folgendes wissen: Wilde Raubtiere gibt es in Afrika nicht mehr! Die einzige ehrenhafte Möglichkeit frei zu leben findet sich in sogenannten Nationalparks. Der bekannteste ist hierbei der Krüger Nationalpark. Wohin also mit diesen Tieren?

Auswildern nach monatelangen direkten Kontakt mit Menschen? Diese Tiere verlieren ihre (überlebenswichtige) Scheu vor Menschen. Auch ihr Jagdinstinkt konnte sich in all den Monaten in Gefangenschaft nicht entsprechend ausprägen.

Beim Anblick der Masse an Tieren die jährlich in solchen Parks geboren werden, ist es wenig glaubhaft das diese Tiere nach einiger Zeit in freier Wildbahn (Nationalparks) oder weltweit in Zoos weiterleben werden. Das Auswildern ist von vielen anerkannten Forschern als unmöglich deklariert worden. Vor einigen Jahren gab es unzählige Versuche die eben genau dies bestätigt haben. Das Argument das es sich hierbei um verwaiste, von der Mutter abgestoßene, und verletzte Tiere handelt kann bei dieser Masse an Tieren nicht glaubhaft belegt werden und macht schon bei kurzer Betrachtung absolut keinen Sinn!

Ukutula Lion Lodge (eines meiner Volunteering Ziele) in CannedHunting involviert?

Bei meiner Recherche bin ich auf diverse Seiten gestoßen die sich intensiv damit beschäftigen und dementsprechend Aufklären betreiben. Aufklärung über das System aber auch Aufklärung für eben solche Freiwillige die ein paar Wochen/Monate ihre Lebens auf solchen Farmen arbeiten und dabei davon ausgehen etwas gutes zu tun. Der Film Blood Lions (derzeit leider nicht in Deutschland verfügbar) deckt genau dieses System schonungslos auf! Wenn auch dies alles begünstigt und regelrecht befeuert wird, durch den tragischen Tod des Löwen Cecil in Zimbabwe, welcher weltweit durch die Medien ging.

Und als ich Berichte und Angriffe über den Ort an dem ich eine Woche als Volunteer tätig sein wollte gelesen habe, war ich baff und erschrocken zugleich. Wie sollte ich damit umgehen? Ich fand einige Stimmen die (vielleicht auch zu recht) diesen Film als Großkeule bezeichneten und kritisierten, dass grundsätzlich alle Einrichtungen dieser Art mit CannedHunting in Verbindung gebracht werden. Die Beweissuche ist dabei tatsächlich langwierig und wohl auch nicht ganz einfach… Aber Anschuldigen sind erstmal vorhanden.

Auf der Homepage von Ukutula ist bereits auf der Startseite folgendes Animal Anti-Cruelty Statement zu lesen:

“Since our inception in 2006, Ukutula has taken a stand against the hunting of predators. We do not make a distiction between so called “ethical” and “unethical” hunting, as the killing of animals for sport or pleasure stands in sharp contrast to our belief that we are caretakers of our wildlife.
Captive animals in particular are deserving of special care and consideration as their wellbeing and comfort becomes not only our responibility but our duty. Wether for educational purposes or for research, cruelty of any kind towards an animal an never be tolerated.”

Das wirkt alles sehr glaubhaft, auch wenn Papier oder geschriebene Wörter sehr geduldig sein können. Desweiteren legt Ukutula sehr viel Wert auf das Logo. Dieses Logo zeigt einen Löwen der unter einem Baum liegt. Der älteste Löwe der in Ukutula gelebt hat, bis er mit 20 einen natürlichen Tod gestorben ist und eben unter diesem Baum begraben wurde.

credits to bloodlions / ian michler
credits to bloodlions / pippa hankinson

Während ich mit Ukutula Lion Lodge einige Mails austauschte, sprach ich auch diese Sache an. Mir wurde sehr ausführlich und sachlich geantwortet. Gleichzeitig klagte man die Macher von BloodLions an, Falschaussagen geschrieben und Interviews aus dem Kontext gerissen zu haben. Sie erwähnten gleichzeitig das alle ihre Löwen mit einem GPS Tracker versehen werden und so auf Lebenszeit jeder einzelne Löwe verfolgt werden könne.

Auch wenn diese Aussagen sehr glaubhaft rüberkamen und ich das mit dem GPS nachrecherchieren konnte, war ich innerlich noch um einiges unruhiger und mehr und mehr dabei Ukutula als das anzusehen, wie es von einigen Seiten beschrieben wird. Ich will mich am Ende auch nicht herausreden und die Sache mit einem Spruch wie: “Wahl des kleineren Übels” beiseite legen. Tatsächlicher Fakt ist: Ukutula hat über die Jahre eine Samendatenbank für Löwen angelegt – ob das nun gut oder schlecht ist – kann man so nicht beantworten. Und trotzdem würde wohl eine Organisation, die mit Raubkatzen und dem Tourismus der daraus resultiert viel Geld macht, und mit  Canned Hunting in Verbindung steht es definitiv nie zugeben!

Nachdem ich mich mit Cathrine von PantheraAfrica (meinem zweiten Ziel als Volunteer) schon per Mail so gut verstanden habe, schrieb ich ihr meine Zweifel und fragte sie ganz ehrlich, ob ich immer noch willkommen sei wenn ich zuvor eine Woche in Ukutula verbringen werde. Sie antwortete mir ebenfalls sehr ausführlich und ging auf meine Bedenken ein. Sie könne auch nicht mit Sicherheit sagen ob Ukutula mit CannedHunting in Verbindung steht, aber alleine das Kontakt mit Tieren möglich ist findet sie nicht gut! Sie sei aber selbst schon mal in dieser Situation gewesen und diese Erfahrung gab ihr nur noch mehr Kraft, sich richtig für diese wunderbaren Tiere einzusetzen. Es sei meine Entscheidung und ich müsse entscheiden was ich in Ukutula alles zulasse. Ich sei aber auf jeden Fall willkommen und wir können gerne ausführlich bei einem Lagerfeuer über meine Erfahrungen und das System reden.

Da ich über diesen wirklich komplizierte Thema endlos weiterschreiben könnte, versuche hier dennoch einen Abschluss zu finden. Das System ist einfach zu komplex und extrem schwer durchschaubar. Hier sind einige Seiten die sich intensiv mit dem Thema Canned Hunting (welches sich übrigens nicht nur auf Raubkatzen bezieht – auch wenn das bei mir jetzt so rüberkommen mag…!) beschäftigen und gerade für Freiwillige Aufklärungsarbeit leisten.

und hier eine Facebook Seite die Auflärungsarbeit speziell für Volunteers betreibt und eine Liste mit allen möglichen Institutionen führt – black and white List:

Und hier sitze ich nun… immer noch einen Kater vom Vortag… aber sobald es um dieses Thema geht tippen die Hände von ganz alleine. Meine Zweifel sind nicht weniger geworden.

Ich wusste vom Tourismus, mit dem in Sachen Raubkatzen viel Geld verdient wird – und habe immer Abstand davon genommen. Das fängt schon in Deutschland mit der Abneigung gegen das halten von Zirkus- oder Zootieren an.

Ich weiß nicht ob ich durch meinen Besuch bei Ukutula Antworten finden würde. Der Verdacht ist vorhanden! Und viele Argumente sprechen dafür. Es bleiben einfach zuviele Fragen unbeantwortet.

Somit werde ich meine Planung definitiv ändern und mich mehr und mehr auf Panthera Africa freuen.

Ich kann aber definitv sagen, das ich in all meiner Begeisterung für diese Tiere einige entscheidende Fragen außer acht gelassen habe… und doch ein bisschen naiv war. Mir tun all diese Freiwilligen leid, die dort gearbeitet haben und womöglich noch nie etwas von CannedHunting gehört haben.

Vielleicht regt dieser Beitrag einige Menschen zum Nachdenken an. Vieles was mit Begeisterung betrachtet wird – kann ebenfalls eine dunkle Schattenseite besitzen.

(credits for ©pictures @Blood Lions / Pippa Hankinson, Ian Michler – thanks! )

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